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Nervenverletzung

Nervenverletzung

Nerven verbinden Gehirn und Rückenmark mit Muskeln und Haut. Sie übertragen Informationen in beide Richtungen: motorische Nervenfasern steuern die Muskulatur, sensible Fasern vermitteln Berührung, Temperatur und Schmerz. Je nach Nerventyp kommt es bei einer Verletzung zu einem entsprechenden Funktionsausfall – zu einer Lähmung bzw. zu einem Verlust der Sensibilität.

Wie gut sich ein Nerv erholt, hängt unter anderem von Art und Höhe der Verletzung, dem betroffenen Nerv, dem Ausmaß der Schädigung und der Zeit bis zur Rekonstruktion ab. Gerade bei ausgeprägten Nervenverletzungen der oberen Extremität sind daher eine frühzeitige Abklärung und eine präzise mikrochirurgische Behandlungsplanung entscheidend.

Ursache

An Arm und Hand verlaufen zahlreiche Nerven teilweise sehr oberflächlich und können durch Schnittverletzungen, Knochenbrüche, Quetschungen oder starke Zugbelastungen geschädigt werden. Je nach Verletzung können einzelne Nervenfasern betroffen sein oder ein Nerv vollständig durchtrennt werden.

Insbesondere am Finger beinhalten Schnittverletzungen häufig auch eine Verletzung des Fingernervs

Beschwerden

Die Beschwerden hängen davon ab, welcher Nerv verletzt wurde und welche Funktionen er übernimmt. Typisch sind Taubheitsgefühl, Kribbeln oder ein vermindertes Berührungsempfinden in einem bestimmten Hautbereich. Bei Verletzungen motorischer Nervenfasern können einzelne Muskeln geschwächt oder vollständig gelähmt sein.

Auch brennende, stechende oder elektrisierende Nervenschmerzen sind möglich. Nach einer Nervendurchtrennung kann sich am Nervenstumpf außerdem ein schmerzhaftes Neurom entwickeln.

Diagnostik

Entscheidend ist zunächst die genaue Untersuchung von Sensibilität und Muskelfunktion. Aus dem Muster der Ausfälle lässt sich häufig bereits erkennen, welcher Nerv und welche Nervenfasern betroffen sind.

Ergänzend wird in unserem Zentrum der hochauflösender Ultraschall eingesetzt. In Abhängigkeit davon, welcher Nerv betroffen ist bzw. bei komplexeren Verletzungen können elektrophysiologische Untersuchungen wie die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit und die Elektromyografie, gelegentlich auch ein MRT, sinnvoll sein.

Behandlung

Konservative Behandlung

Nicht jede Nervenverletzung muss operiert werden. Entscheidend ist, ob die äußere Nervenhülle (= Epineurium) erhalten geblieben ist. Ist das der Fall, haben die regenerierenden Nervenfasern eine Leitstruktur, in die sie vorwachsen können.

Bei einer vollständigen Durchtrennung ist dies wesentlich schwieriger. Die neu auswachsenden Nervenfasern müssen ihren Weg in den gegenüberliegenden Nervenstumpf und von dort bis zu ihrem ursprünglichen Ziel finden. Da Nerven nur langsam regenerieren, kann dieser Prozess viele Monate dauern. Besonders bei motorischen Nervenverletzungen spielt deshalb die Zeit eine wichtige Rolle: Bleibt ein Muskel zu lange ohne funktionierende Nervenversorgung, kann er zunehmend an Kraft und Volumen verlieren (= Muskelatrophie).

Operative Behandlung

Bei einem glatt durchtrennten Nerv können die beiden Nervenenden unter dem Operationsmikroskop mit feinsten Nähten wieder direkt miteinander verbunden werden. Diese mikrochirurgische Nervennaht schafft eine Leitstruktur, durch die die nachwachsenden Nervenfasern wieder in Richtung ihres ursprünglichen Zieles wachsen können.

Bei einer frischen, glatten Durchtrennung eines Nervs sorgt die mikrochirurgische Naht der Nervenhülle (= Epineurium) für die beste Voraussetzung für eine vollständige Regeneration
Durch die Wiederherstellung der Nervenhülle haben die Nervenfasern eine Leitstruktur für das zielgerichtete Aussprossen

Besteht zwischen den Nervenenden ein größerer Defekt und wäre eine direkte Naht nur unter Spannung möglich, kann die Lücke durch ein Nerventransplantat überbrückt werden. Es dient den neu auswachsenden Nervenfasern als natürliche Leitschiene.

Ist der Abstand der Nervenstumpfe zu groß, wird der Defekt durch ein Nerventransplantat überbrückt

Bei komplexeren oder länger zurückliegenden Verletzungen stehen darüber hinaus moderne Nerventransfers zur Verfügung. Dabei werden geeignete funktionierende Nervenäste auf ausgefallene Nerven übertragen, um bestimmte motorische oder sensible Funktionen gezielt wiederherzustellen.

Alle aufgeführten Operationstechniken werden wahlweise in einem Dämmerschlaf (= Sedierung) in Kombination mit einer Betäubung des Armes (= Armplexusanästhesie) oder in Allgemeinnarkose durchgeführt. Der Eingriff wird ambulant in unserem Zentrum oder tagesklinisch bzw. mit einer Nacht stationären Aufenthalts in einem Privatspital in Wien geplant.

Nachbehandlung

Nach dem Eingriff werden die Wunde und der Heilungsverlauf regelmäßig kontrolliert, das Nahtmaterial wird in der Regel nach 14 Tagen entfernt. Je nach Art der Operation ist zunächst eine kurzzeitige Ruhigstellung oder Entlastung erforderlich, anschließend wird die Belastung schrittweise gesteigert. Die Nervenfasern müssen von der Operationsstelle bis zu den zu versorgenden Muskeln oder Hautarealen neu auswachsen. Da Nerven nur langsam regenerieren (etwa 1 mm pro Tag), tritt eine Besserung häufig erst nach Wochen bis Monaten ein. Ergotherapie begleitet diesen Prozess und hilft, Beweglichkeit, Sensibilität und Muskelfunktion bestmöglich zu erhalten beziehungsweise wieder aufzubauen.

Vereinbaren Sie sich für die Behandlung einer Nervenverletzung einen Termin bei unseren Spezialisten Prof. Kitzinger und Doz. Salminger.

Vertrauen, das man weiterempfiehlt

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