Ein Fingerbruch (Fingerfraktur) ist ein Bruch eines Gliedes des Daumens oder der übrigen Finger. Betroffen sein können das Grundglied, Mittelglied oder Endglied, der Daumen besitzt nur ein Grund- und Endglied.
Fingerfrakturen entstehen häufig durch Stürze, Quetschungen, direkte Schläge oder Sportverletzungen. Auch wenn ein Fingerbruch zunächst harmlos erscheinen kann, ist eine genaue Behandlung wichtig, da bereits kleine Fehlstellungen die Beweglichkeit und Funktion der Hand beeinträchtigen können.
Ursache
Je nach Unfallmechanismus können unterschiedliche Bruchformen entstehen. Ein direkter Schlag oder eine Quetschung führt häufig zu einem Bruch des Endglieds, während Stürze, Verdrehungen oder Sportverletzungen auch die Grund- und Mittelglieder betreffen können.
Man unterscheidet unter anderem zwischen einfachen und mehrfragmentären Brüchen, verschobenen und nicht verschobenen Frakturen sowie Brüchen, die in ein Gelenk hineinreichen.
Gelenkbeteiligende Frakturen erfordern besondere Aufmerksamkeit, da eine ungenaue Wiederherstellung der Gelenkfläche später zu Bewegungseinschränkungen oder einer Arthrose führen kann.

Beschwerden
Ein Fingerbruch verursacht meist unmittelbar nach der Verletzung Schmerzen und eine Schwellung. Häufig kommt es zu einem Bluterguss und einer eingeschränkten Beweglichkeit. Bei verschobenen Brüchen kann der Finger sichtbar schief stehen oder verkürzt erscheinen.
Besonders wichtig ist eine mögliche Drehfehlstellung (Rotationsfehler). Dabei kann der Finger in Streckstellung noch relativ gerade aussehen, beim Beugen jedoch über oder unter einen benachbarten Finger laufen. Eine solche Fehlstellung kann das Greifen erheblich stören.
Nicht jeder Fingerbruch führt zu einer deutlichen Fehlstellung. Auch bei einem äußerlich unauffälligen Finger kann eine Fraktur vorliegen.
Diagnostik
Neben der Untersuchung des Fingers ist das Röntgen in mehreren Ebenen die wichtigste Untersuchung. Diese Untersuchung kann direkt bei uns im Zentrum durchgeführt werden. Dabei werden die Stellung der Knochen, der Verlauf der Bruchlinie und eine mögliche Gelenkbeteiligung beurteilt.
Bei komplexen oder gelenkbeteiligenden Frakturen kann zusätzlich eine Computertomographie (CT) sinnvoll sein, um die Bruchstücke und die Gelenkfläche genauer darzustellen.
Bei der klinischen Untersuchung wird besonders auf die Durchblutung, das Gefühl, die Sehnenfunktion und die Stellung der Finger beim Beugen geachtet. Eine Drehfehlstellung lässt sich häufig besser durch die Untersuchung als allein anhand des Röntgenbildes erkennen.
Behandlung
Die Behandlung hängt davon ab, welcher Knochen gebrochen ist, ob der Bruch verschoben ist und ob die Fraktur stabil ist. Ziel ist es, die richtige Stellung wiederherzustellen und gleichzeitig eine möglichst frühzeitige, sichere Bewegung zu ermöglichen.
Konservative Behandlung:
Stabile, nicht oder nur gering verschobene Fingerfrakturen können häufig ohne Operation behandelt werden. Dazu wird der Finger mit einer geeigneten Schiene ruhiggestellt oder zeitweise an einem benachbarten Finger fixiert (Buddy-Taping). Die Ruhigstellung muss ausreichend Schutz bieten, sollte aber nicht unnötig lange dauern. Finger neigen besonders schnell zu einer Einsteifung. Deshalb ist eine frühzeitige Bewegung der nicht betroffenen Gelenke und später eine gezielte Mobilisation entscheidend.
Regelmäßige Kontrollen stellen sicher, dass sich der Bruch während der Heilung nicht nachträglich verschiebt.
Operative Behandlung:
Eine Operation kann notwendig sein, wenn der Bruch deutlich verschoben, instabil oder verdreht ist, wenn eine Gelenkfläche nicht korrekt steht oder wenn mehrere Bruchstücke eine sichere Heilung erschweren.
Bei der Operation werden die Knochenfragmente in ihre anatomisch richtige Stellung gebracht und anschließend stabilisiert. Je nach Bruchform kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:
- Kirschner-Drähte: Dünne Metallstifte, die die Bruchstücke in der richtigen Stellung halten.
- Schrauben: Sie ermöglichen bei geeigneten Bruchformen eine stabile Fixierung, beispielsweise bei schrägen oder spiralförmigen Frakturen.
- Platten und Schrauben: Sie werden insbesondere bei komplexeren oder instabilen Brüchen eingesetzt, wenn eine besonders stabile Versorgung erforderlich ist.
Die Wahl des Implantats richtet sich nach der Fraktur und den individuellen Anforderungen. Nicht jeder Bruch benötigt eine Platte; häufig ist eine weniger aufwendige Stabilisierung ausreichend.

Nachbehandlung
Die Nachbehandlung hängt von der Stabilität der Versorgung und der Art des Bruchs ab. Häufig wird der Finger zunächst durch einen Verband oder eine Schiene geschützt.
Ein wesentliches Ziel ist die frühzeitige, kontrollierte Bewegung, sobald die Fraktur und die gewählte Versorgung dies erlauben. Dadurch sollen Verklebungen der Sehnen, Gelenksteifigkeit und ein dauerhafter Bewegungsverlust vermieden werden. Hierfür ist eine handtherapeutische Behandlung notwendig. Das Handchirurgie-Zentrum Wien arbeitet mit der Österreichischen Gesellschaft für Handtherapie zusammen, TherapeutInnen können auf der Webpage der ÖGHT gesucht werden.