Der Golferellbogen, medizinisch Epicondylitis humeri ulnaris oder mediale Epicondylitis genannt, ist eine schmerzhafte Erkrankung der Sehnenansätze an der Innenseite des Ellbogens. Trotz seines Namens betrifft er keineswegs nur Golfer.
An der knöchernen Innenseite des Ellbogens, dem medialen Epikondylus, entspringen mehrere Muskeln, die für die Beugung des Handgelenks und der Finger sowie für die Drehung des Unterarms verantwortlich sind.
Durch wiederholte oder ungewohnt starke Belastungen können am gemeinsamen Sehnenansatz kleinste Verletzungen entstehen. Bei länger bestehenden Beschwerden kommt es zu strukturellen und degenerativen Veränderungen des Sehnengewebes. Es handelt sich daher meist nicht um eine klassische Entzündung, sondern um eine sogenannte Tendinopathie.
Ursache
Typische Auslöser sind wiederholte Bewegungen, bei denen das Handgelenk kräftig gebeugt, der Unterarm gedreht oder gleichzeitig fest zugegriffen wird.
Beim Golf kann insbesondere die wiederholte Schlagbewegung die Sehnenansätze belasten. Ein Golferellbogen kann jedoch ebenso durch handwerkliche Tätigkeiten, Gartenarbeit, Krafttraining, Wurf- und Schlägersportarten oder andere wiederkehrende Belastungen entstehen.
Häufig entwickeln sich die Beschwerden schleichend über Wochen oder Monate. Manchmal beginnen sie nach einer einzelnen ungewohnt starken Belastung. Bei vielen PatientInnen lässt sich jedoch kein eindeutiger Auslöser feststellen.
Beschwerden
Typisch sind Schmerzen an der Innenseite des Ellbogens, unmittelbar am medialen Epikondylus. Dieser Bereich ist häufig deutlich druckempfindlich.
Die Schmerzen können von dort entlang der Innenseite des Unterarms ausstrahlen. Besonders häufig treten sie beim kräftigen Greifen, Beugen des Handgelenks oder Drehen des Unterarms gegen Widerstand auf. Typische Situationen sind beispielsweise das Tragen einer schweren Tasche, das Öffnen eines Schraubverschlusses, Arbeiten mit Werkzeug oder bestimmte Sportbewegungen. Bei stärkeren Beschwerden können bereits einfache Alltagstätigkeiten schmerzhaft sein und die Griffkraft kann nachlassen.
In unmittelbarer Nähe des Sehnenansatzes verläuft außerdem der Ellennerv (Nervus ulnaris). Ist dieser zusätzlich gereizt, können Kribbeln oder Taubheitsgefühle bis in den Ring- und Kleinfinger auftreten. Solche Beschwerden gehören nicht zum klassischen Golferellbogen und sollten gesondert untersucht werden -> Kubitaltunnelsyndrom.

Diagnostik
In den meisten Fällen lässt sich die Diagnose anhand der typischen Beschwerden und der klinischen Untersuchung stellen.
Der Sehnenansatz am medialen Epikondylus wird auf Druckempfindlichkeit untersucht. Zusätzlich können die Beschwerden gezielt provoziert werden, indem das Handgelenk gegen Widerstand gebeugt oder der Unterarm gegen Widerstand gedreht wird.
Eine hochauflösende Ultraschalluntersuchung direkt in unserem Zentrum kann Veränderungen und kleinere Einrisse des Sehnengewebes sichtbar machen. Bei länger bestehenden oder unklaren Beschwerden kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) sinnvoll sein.
Behandlung
Konservative Behandlung
Ein Golferellbogen wird zunächst fast immer ohne Operation behandelt. Die Erkrankung kann langwierig sein, besitzt grundsätzlich aber eine gute Heilungstendenz. Wichtig ist zunächst, die auslösende Belastung zu erkennen und vorübergehend zu reduzieren oder zu verändern. Eine vollständige Ruhigstellung ist normalerweise nicht notwendig und auf Dauer auch nicht sinnvoll.
Eine zentrale Rolle spielt die Ergo- beziehungsweise Handtherapie. Durch gezielte Dehnungs- und insbesondere Kräftigungsübungen soll die Belastbarkeit der betroffenen Sehnen schrittweise wieder verbessert werden. Dabei kommen häufig sogenannte exzentrische beziehungsweise progressive Belastungsübungen zum Einsatz. Das Handchirurgie-Zentrum Wien arbeitet mit der Österreichischen Gesellschaft für Handtherapie zusammen, TherapeutInnen können auf der Webpage der ÖGHT gesucht werden.
Zusätzlich können je nach Situation eingesetzt werden:
- vorübergehend schmerz- und entzündungshemmende Medikamente
- lokale Kühlung bei akuten Beschwerden
- eine Epicondylitis-Spange zur Entlastung
- Anpassung von Arbeitsplatz, Sporttechnik oder Trainingsbelastung
Eine Kortisoninjektion kann die Schmerzen kurzfristig deutlich reduzieren. Diese Infiltration wird in unserem Zentrum ultraschallgezielt durchgeführt.
Operative Behandlung
Eine Operation beim Golferellbogen kommt vor allem dann infrage, wenn über einen längeren Zeitraum ausgeprägte Beschwerden bestehen und eine konsequent durchgeführte konservative Behandlung keine ausreichende Besserung gebracht hat.
Bei der Operation wird das krankhaft veränderte Sehnengewebe am inneren Ellbogen entfernt beziehungsweise angefrischt. Der verbleibende gesunde Sehnenanteil wird je nach Befund angefrischt und gegebenenfalls wieder stabil am Knochen befestigt. Da der Nervus ulnaris unmittelbar hinter dem medialen Epikondylus verläuft, muss er während des Eingriffs sorgfältig geschont werden. Besteht gleichzeitig eine relevante Schädigung oder Einengung des Nervs, kann diese gegebenenfalls im selben Eingriff behandelt werden. Der Eingriff kann über einen kleinen Hautschnitt durchgeführt werden. Bis die Sehne wieder vollständig belastbar ist, können auch nach einer Operation mehrere Monate vergehen.
Die Operation wird wahlweise in einem Dämmerschlaf (= Sedierung) in Kombination mit einer Betäubung des Armes (= Armplexusanästhesie) oder in Allgemeinnarkose durchgeführt. Der Eingriff wird ambulant in unserem Zentrum oder tagesklinisch bzw. mit einer Nacht stationären Aufenthalts in einem Privatspital in Wien geplant.

Nachbehandlung
Nach der Operation wird der Arm zunächst geschont. Eine längere vollständige Ruhigstellung sollte aber möglichst vermieden werden. Nach der ersten Wundheilung beginnt die kontrollierte Bewegung von Ellbogen, Unterarm und Handgelenk. Da die Wunde mit einer plastisch-chirurgischen Intracutannaht verschlossen wurde, ist ein Fadenzug nicht notwendig.
Kräftiges Greifen, schweres Heben und stärkere sportliche Belastungen sollten zunächst vermieden werden. Im weiteren Verlauf beginnt ein gezielter Kraftaufbau der Beuge- und Pronatorenmuskulatur. Die Belastung wird schrittweise gesteigert. Bis zur vollständigen sportlichen oder beruflichen Belastbarkeit können mehrere Monate vergehen.