Die Mondbein- bzw. Lunatumnekrose, auch Morbus Kienböck oder Lunatummalazie genannt, ist eine Erkrankung eines kleinen Handwurzelknochens, des Mondbeins (Os lunatum). Dieses liegt zentral im Handgelenk und ist bei nahezu jeder Bewegung und Belastung des Handgelenks beteiligt.
Bei der Lunatumnekrose wird der Knochen nicht mehr ausreichend durchblutet. Dadurch verliert das Knochengewebe zunehmend an Stabilität. Im weiteren Verlauf kann das Mondbein seine ursprüngliche Form verlieren, teilweise einbrechen und schließlich die gesamte Mechanik der Handwurzel verändern. Unbehandelt kann daraus langfristig eine Arthrose des Handgelenks entstehen.
Ursache
Warum die Durchblutung des Mondbeins gestört wird, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich kommen bei der Entstehung mehrere Faktoren zusammen. Dazu gehören Besonderheiten der Blutversorgung des Mondbeins, wiederholte mechanische Belastungen und bestimmte anatomische Verhältnisse des Handgelenks.
Beschwerden
Typisch sind Schmerzen im Bereich der Handgelenksmitte, häufig eher auf der Streckseite. Anfangs können diese nur bei Belastung auftreten und einer Überlastung oder Verstauchung ähneln.
Im weiteren Verlauf können hinzukommen:

Diagnostik
Nach der Untersuchung des Handgelenks werden zunächst meist Röntgenaufnahmen direkt in unserem Zentrum angefertigt. In frühen Stadien können diese jedoch noch vollkommen unauffällig sein. Besteht trotzdem der Verdacht auf eine Lunatumnekrose, ist die Magnetresonanztomographie (MRT) mit Kontrastmittel besonders wichtig. Sie kann Veränderungen der Knochenstruktur und Durchblutung bereits erkennen, bevor sie im Röntgen sichtbar werden.
Eine Computertomographie (CT) ermöglicht eine sehr genaue Beurteilung der knöchernen Struktur. Sie zeigt beispielsweise kleine Einbrüche, Frakturen oder eine beginnende Fragmentierung des Mondbeins und kann deshalb insbesondere für die Operationsplanung hilfreich sein.
Die verschiedenen Stadien
Die Erkrankung wird häufig nach Lichtman in verschiedene Stadien eingeteilt. Vereinfacht lässt sich der Verlauf folgendermaßen beschreiben:
Frühstadium: Das Mondbein ist äußerlich noch weitgehend intakt, im MRT ist die Durchblutungsstörung aber bereits erkennbar.
Mittleres Stadium: Die Knochenstruktur verändert sich und das Mondbein wird im Röntgenbild dichter.
Fortgeschrittenes Stadium: Das Mondbein verliert seine Stabilität, verformt sich oder bricht teilweise zusammen. Ähnlich wie in einem Kartenhaus kann sich in Folge auch die Stellung anderer Handwurzelknochen verändern und eine Arthrose auslösen.
Spätstadium: Durch die dauerhaft veränderte Biomechanik nach Zusammenbruch des Mondbeins sind zusätzlich die benachbarten Gelenkflächen geschädigt und es entwickelt sich eine Arthrose des Handgelenks.
Diese Stadieneinteilung ist wichtig, weil sich die Behandlung danach richtet. Moderne Behandlungskonzepte berücksichtigen zusätzlich den Zustand des Gelenkknorpels und die noch vorhandene Durchblutung des Mondbeins.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Stadieneinteilung.
Konservative Behandlung:
In einem frühen Stadium kann zunächst versucht werden, das Mondbein zu entlasten und das Handgelenk ruhigzustellen. Dazu wird meist eine Schiene für 6 Wochen getragen. Ergänzend können schmerz- und entzündungshemmende Medikamente eingesetzt werden. Ziel ist es, die mechanische Belastung des geschädigten Knochens zu reduzieren. Insbesondere in frühen Stadien kann eine konservative Behandlung sinnvoll sein.
Bleiben die Beschwerden bestehen oder zeigen die Kontrolluntersuchungen ein Fortschreiten der Erkrankung, kommen operative Verfahren infrage.
Operative Behandlung:
Bei der Lunatumnekrose gibt es nicht die eine Operation, die für alle PatientInnen geeignet ist. Das Verfahren wird individuell nach Stadium, Zustand des Mondbeins, Knorpelschäden, Stellung der Handwurzel und den anatomischen Verhältnissen zwischen Speiche und Elle ausgewählt.
Frühes und mittleres Stadium
Besteht beispielsweise eine Ulna-Minus-Variante, kann eine Verkürzung der Speiche (Radiusverkürzungsosteotomie) durchgeführt werden. Dabei wird ein kleines Knochenstück aus der Speiche entfernt und der Knochen anschließend mit einer Platte wieder stabilisiert. Dadurch verändern sich die Drücke und auch der Kraftfluss im Handgelenk und das erkrankte Mondbein wird entlastet. Dieses Verfahren gehört zu den etablierten Operationen bei geeigneten frühen und mittleren Stadien.

Fortgeschrittenes oder Spätstadium
Ist das Mondbein bereits stark deformiert oder zusammengebrochen, stehen sogenannte Rettungsoperationen zur Verfügung. Eine Möglichkeit ist die Proximal Row Carpectomy (PRC). Dabei werden die drei Knochen der körpernahen Handwurzelreihe – Kahnbein, Mondbein und Dreieckbein – entfernt. Die verbleibende Handwurzel tritt anschließend direkt mit der Speiche in Kontakt. Unter geeigneten Voraussetzungen kann dadurch ein schmerzfreies und weiterhin bewegliches Handgelenk erhalten werden. Je nach Befund können alternativ Teilversteifungen bestimmter Handwurzelknochen sinnvoll sein. Dadurch werden schmerzhafte beziehungsweise instabile Gelenkabschnitte ausgeschaltet und gleichzeitig möglichst viel Beweglichkeit des Handgelenks erhalten.

Alle beschriebenen Operationen werden tagesklinisch oder stationär in einem Privatspital in Wien wahlweise in Betäubung des Armes (Armplexusanästhesie) in Kombination mit einem Dämmerschlaf oder in Vollnarkose durchgeführt.
Nachbehandlung
Die Nachbehandlung hängt wesentlich vom gewählten Operationsverfahren ab. Das Handgelenk wird für ca. zwei Wochen in einer Kunststoffschiene stabilisiert, während Finger und Daumen sofort bewegt werden sollen. Im weiteren Verlauf werden die Beweglichkeit des Handgelenks, Kraft und Belastbarkeit gezielt aufgebaut. Hierfür ist eine handtherapeutische Behandlung notwendig. Das Handchirurgie-Zentrum Wien arbeitet mit der Österreichischen Gesellschaft für Handtherapie zusammen, TherapeutInnen können auf der Webpage der ÖGHT gesucht werden.