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Nervenlähmung

Nervenlähmung

Die Bewegungen von Unterarm, Hand und Fingern werden über verschiedene periphere Nerven gesteuert. Werden diese Nerven oder einzelne ihrer motorischen Äste geschädigt, können bestimmte Muskeln nicht mehr ausreichend angesteuert werden. Je nach betroffenem Nerv reicht die Folge von einer leichten Muskelschwäche bis zum vollständigen Ausfall einzelner Bewegungen. Lähmungen aufgrund einer Schädigung des Plexus brachialis werden in unserem Zentrum nicht behandelt.

Nerven regenerieren langsam. Gleichzeitig verliert ein dauerhaft nicht mehr angesteuerter Muskel zunehmend seine Fähigkeit, nach einer späteren Reinnervation wieder normal zu arbeiten. Besonders bei ausgeprägten motorischen Ausfällen sollte deshalb frühzeitig abgeklärt werden, ob eine spontane Erholung zu erwarten ist oder eine operative Rekonstruktion sinnvoll ist.

Ursache

Lähmungen können nach einer Verletzung entstehen, beispielsweise durch Schnitt- oder Quetschverletzungen, Knochenbrüche, Verrenkungen oder andere Unfälle. Dabei kann ein Nerv gedehnt, gequetscht oder vollständig durchtrennt werden. Auch Narbenbildung oder andere Veränderungen nach einer Verletzung können seine Funktion beeinträchtigen.

Daneben gibt es spontan auftretende Lähmungen ohne vorausgegangenen Unfall. Mögliche Ursachen sind unter anderem eine ausgeprägte Nerveneinengung oder entzündliche Veränderungen. Gelegentlich lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen.

Beschwerden

Welche Bewegungen ausfallen, hängt davon ab, welcher Nerv betroffen ist. Typisch sind beispielsweise Schwierigkeiten beim Strecken oder Beugen von Hand und Fingern, beim Spreizen und Zusammenführen der Finger oder bei bestimmten Bewegungen des Daumens. Dadurch können Greifen, Festhalten und feinmotorische Tätigkeiten erheblich beeinträchtigt sein.

Zusätzlich können Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Nervenschmerzen auftreten. Besteht die Lähmung länger, verlieren die nicht mehr ausreichend versorgten Muskeln zunehmend an Volumen und Kraft und es kann zu einer sichtbaren Muskelatrophie kommen.

Je nach geschädigtem Nerv ergeben sich typische Funktionsausfälle an der Hand

Diagnostik

Eine genaue klinische Untersuchung ist entscheidend. Dabei wird geprüft, welche einzelnen Muskeln und Bewegungen noch funktionieren und welche ausgefallen sind. Dadurch lässt sich die Schädigung häufig bereits einem bestimmten Nerv oder Nervenast zuordnen.

In unserem Zentrum wird mittels hochauflösendem Ultraschall nach einer möglichen Ursache gesucht. Ergänzend kommen elektrophysiologische Untersuchungen wie Nervenleitmessung und Elektromyografie zum Einsatz. Je nach Fragestellung können MRT oder weitere bildgebende Untersuchungen erforderlich sein. Besonders bei plötzlich auftretenden Lähmungen ist eine sorgfältige Abklärung der Ursache wichtig.

Behandlung

Konservative Behandlung

Die Behandlung richtet sich nach Ursache, Ausmaß und Dauer der Lähmung. Kann sich der Nerv voraussichtlich selbst erholen, wird seine Regeneration zunächst kontrolliert und durch gezielte Ergotherapie begleitet.

Operative Behandlung

Ist ein Nerv durchtrennt oder dauerhaft schwer geschädigt, kommen mikrochirurgische Nervenrekonstruktionen infrage. Dazu gehören die direkte Nervennaht, die Überbrückung eines Defekts mit einem Nerventransplantat sowie in geeigneten Fällen Nerventransfers.

Bei einer frischen, glatten Durchtrennung eines Nervs sorgt die mikrochirurgische Naht der Nervenhülle (= Epineurium) für die beste Voraussetzung für eine vollständige Regeneration
Durch die Wiederherstellung der Nervenhülle haben die Nervenfasern eine Leitstruktur für das zielgerichtete Aussprossen

Besteht zwischen den Nervenenden ein größerer Defekt und wäre eine direkte Naht nur unter Spannung möglich, kann die Lücke durch ein Nerventransplantat überbrückt werden. Es dient den neu auswachsenden Nervenfasern als natürliche Leitschiene.

Ist der Abstand der Nervenstumpfe zu groß, wird der Defekt durch ein Nerventransplantat überbrückt

Bei komplexeren oder länger zurückliegenden Verletzungen stehen darüber hinaus moderne Nerventransfers zur Verfügung. Dabei wird ein funktionierender, für die Gesamtfunktion weniger wichtiger Nervenast auf einen ausgefallenen Nerv übertragen, um dessen motorische (oder sensible) Funktion wiederherzustellen. Ein häufiges Beispiel ist der Transfer eines Astes des Nervus interosseus anterior (AIN) auf den motorischen Anteil des Ellennervs, um bei schwerer Läsion des Ellennervs die kleinen Handmuskeln möglichst früh wieder mit Nervenfasern zu versorgen. Bei Ausfällen des Speichennervs (= Nervus radialis) können motorische Äste des Mittelarmnervs (Nervus medianus) auf Äste des Speichennervs übertragen werden, um beispielsweise die Streckung von Hand, Fingern und Daumen wiederherzustellen. Auch bei Medianuslähmungen stehen gezielte Transfers zur Verfügung, um wichtige Funktionen wie die Daumenbewegung und Greiffunktion zu rekonstruieren. Neben motorischen Transfers sind sensible Nerventransfers möglich, bei denen funktionierende sensible Nervenfasern umgeleitet werden, um insbesondere in funktionell wichtigen Bereichen der Hand wieder Schutzsensibilität zu erreichen.

Bei einem Nerventransfer wird ein gut funktionierender Spendernerv aus der unmittelbaren Umgebung an den geschädigten Nerv seitlich mikrochirurgisch angeschlossen. Dadurch erhält der dazugehörige Muskel wieder Nervenimpulse

Ist eine Wiederherstellung der Nervenfunktion nicht mehr möglich oder nicht erfolgversprechend, können Sehnentransfers (= motorische Ersatzoperation) eine wichtige Alternative darstellen. Dabei wird die Kraft eines noch funktionierenden Muskels über eine umgelagerte Sehne auf eine ausgefallene Bewegung übertragen. In ausgewählten Fällen ist es auch möglich, Nerventransfers mit Sehnentransfers zu kombinieren.

Alle aufgeführten Operationstechniken werden wahlweise in einem Dämmerschlaf (= Sedierung) in Kombination mit einer Betäubung des Armes (= Armplexusanästhesie) oder in Allgemeinnarkose durchgeführt. Der Eingriff wird ambulant in unserem Zentrum oder tagesklinisch bzw. mit einer Nacht stationären Aufenthalts in einem Privatspital in Wien geplant.

Nachbehandlung

Nach dem Eingriff werden die Wunde und der Heilungsverlauf regelmäßig kontrolliert, das Nahtmaterial wird in der Regel nach 14 Tagen entfernt. Je nach Art der Operation ist zunächst eine kurzzeitige Ruhigstellung oder Entlastung erforderlich, anschließend wird die Belastung schrittweise gesteigert. Die Nervenfasern müssen von der Operationsstelle bis zu den zu versorgenden Muskeln neu auswachsen. Da Nerven nur langsam regenerieren (etwa 1 mm pro Tag), tritt eine Besserung häufig erst nach Wochen bis Monaten ein. Ergotherapie begleitet diesen Prozess und hilft, Muskelfunktion und Beweglichkeit bestmöglich wieder aufzubauen.

Vereinbaren Sie sich für die Behandlung einer Nervenlähmung einen Termin bei unseren Spezialisten Prof. Kitzinger und Doz. Salminger.

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