Die Sehnenscheidenentzündung am daumenseitigen Handgelenk ist die „klassische“ Sehnenscheidenentzündung am Arm und wird medizinisch als Tendovaginitis stenosans de Quervain bezeichnet. Im angloamerikanischen Sprachgebrauch wird die Erkanknung auch „Mummy´s thumb“ genannt, da häufig junge Mütter (natürlich aber auch Väter!) betroffen sind.
Ursache
Auf Höhe des streckseitigen Handgelenks laufen die zahlreichen Strecksehnen für das Handgelenk und die Finger durch sogenannte Sehnenfächer. Bei der hier beschriebenen Erkrankung ist das 1. Strecksehnenfach betroffen, welches auf der Speichenseite des Handgelenks liegt und durch das die beiden Sehnen des kurzen Daumenstreckmuskels (Musculus extensor pollicis brevis) sowie des langen Daumenabspreizmuskels (Musculus abductor pollicis longus) ziehen.
Kommt es durch eine übermäßige oder ungewohnte Beanspruchung zu einem Reiben zwischen den Sehnen und den Wänden des Sehnenfachs, entwickelt sich eine schmerzhafte Schwellung und Entzündung. Frauen sind hiervon etwa achtmal häufiger betroffen als Männer.

Beschwerden
Die Beschwerden können sowohl plötzlich über Nacht auftreten als auch sich allmählich entwickeln. Oft besteht eine schlauchförmige Schwellung auf der Speichenseite des Handgelenks direkt über dem betroffenen Sehnenfach. Die Schmerzen können bis in den Daumen oder in den Unterarm ausstrahlen.
Besonders unangenehm sind häufig Bewegungen, bei denen der Daumen abgespreizt oder gestreckt wird. Auch kräftiges Greifen, das Öffnen eines Schraubverschlusses, das Auswringen eines Tuches oder das Anheben eines Gegenstandes können Beschwerden verursachen.
Oft besteht zusätzlich eine druckempfindliche Schwellung über dem 1. Strecksehnenfach. Bei ausgeprägten Veränderungen kann gelegentlich auch ein Reiben, Schnappen oder Knirschen der Sehnen wahrgenommen werden.

Diagnostik
Die Beschwerdeschilderung durch den Patienten ist häufig recht typisch. Bei der Untersuchung ist der Bereich über dem 1. Strecksehnenfach druckempfindlich. Besonders hinweisend auf die Erkrankung sind Schmerzen beim sogenannten Finkelsteintest. Hierbei wird der Daumen in die Handfläche des Patienten hinein gebeugt und eine ruckhafte Bewegung des Handgelenks in Richtung Elle durchgeführt.
Während diese Bewegung bei Gesunden kaum Beschwerden hervorruft, ist sie für die betroffenen Patienten in der Regel sehr unangenehm. Bestätigt wird die Diagnose durch eine hochauflösende Ultraschalluntersuchung, die direkt in unserem Zentrum im Rahmen der Erstvorstellung durchgeführt wird.
Behandlung
In vielen Fällen kann die Erkrankung zunächst ohne Operation behandelt werden. Ziel ist es, die Reizung zu reduzieren und den Sehnen wieder eine möglichst schmerzfreie Gleitbewegung zu ermöglichen. Belastungen, die die Beschwerden auslösen, sollten vorübergehend reduziert werden. Wissenschaftlich unterstützt ist vor allem die Injektion von Kortison in das 1. Strecksehnenfach. Da das Kortison sowohl eine abschwellende wie auch antientzündliche Wirkung besitzt, kann der Reizzustand im 1. Strecksehnenfach im Idealfall vollständig abklingen. Um das Kortison genau an die betroffene Stelle und nicht versehentlich in die Sehnen zu spritzen, erfolgt die Injektion unter Ultraschallkontrolle. Eine Kortisoninfiltration sollte aufgrund möglicher Nebenwirkungen nur maximal zweimal durchgeführt werden. Kommt es darunter nicht zu einer Beschwerdefreiheit, wird eine Operation notwendig.
Die Operation kann entweder ambulant im Operationssaal unseres Zentrums oder tagesklinisch in einem Privatspital in Wien durchgeführt werden. Aufgrund des nur ca. 1,5 cm langen Hautschnittes und der kurzen Operationszeit sind keine Voruntersuchungen (interne Freigabe) notwendig. Die Operation wird schonend und schmerzfrei in einer speziellen örtlichen Betäubung (Wide Awake Verfahren) durchgeführt, durch die man auch auf die häufig unangenehme Blutsperre am Oberarm verzichten kann. Sollte der Eingriff im Spital durchgeführt werden, besteht zusätzlich die Möglichkeit eines Dämmerschlafs. Bei der Operation wird über den kurzen Hautschnitt das Sehnenfach in seiner Länge gespalten.
Dabei muss besonders auf einen oberflächlichen Hautnerven geachtet werden, der im Bereich des Operationsgebietes verläuft. Nachdem das problemlose Gleiten der Sehnen überprüft wurde, wird die Operationswunde mit einem selbstauflösenden Faden verschlossen. Am Ende der Operation legen wir einen dünnen Schutzverband an. Die Hand soll aber nach der Operation sofort wieder für Alltagstätigkeiten eingesetzt, schwere Belastungen aber noch für drei Wochen vermieden werden.
Eine gewisse Schwellung oder Druckempfindlichkeit im Bereich der Operationsnarbe kann noch einige Wochen bestehen. Auch wenn die eigentliche Engstelle durch die Operation beseitigt ist, benötigen die zuvor gereizten Sehnen und das umliegende Gewebe etwas Zeit, um sich vollständig zu beruhigen.

Nachbehandlung
Die Hand darf nach der Operation sofort wieder für Alltagstätigkeiten eingesetzt, schwere Belastungen aber noch für drei Wochen vermieden und die Wunde für zwei Wochen trocken gehalten werden. Da die Wunde mit einer plastische-chirurgischen Intracutannaht verschlossen wurde, ist ein Fadenzug nicht notwendig.
Eine gewisse Schwellung oder Druckempfindlichkeit im Bereich der Operationsnarbe kann noch einige Wochen bestehen. Auch wenn die eigentliche Engstelle durch die Operation beseitigt ist, benötigen die zuvor gereizten Sehnen und das umliegende Gewebe etwas Zeit, um sich vollständig zu beruhigen.
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