Als Skidaumen wird die unfallbedingte Verletzung des ellenseitigen Seitenbandes am Daumengrundgelenk bezeichnet (=Ruptur des ulnaren Kollateralbandes am Daumengrundgelenk). Dieses kräftige Band stabilisiert den Daumen auf der dem Zeigefinger zugewandten Seite des Grundgelenks und verhindert, dass der Daumen übermäßig nach außen aufgeklappt werden kann.
Der Skidaumen ist die häufigste Bandverletzung am Daumengrundgelenk.
Ursache
Typischerweise wird der abgespreizte Daumen plötzlich und mit großer Kraft nach außen gedrückt. Beim Skifahren kann dies beispielsweise bei einem Sturz geschehen, wenn der Daumen am Skistock hängen bleibt.
Auch Stürze auf die Hand, Ballsportarten oder andere Unfälle können eine solche Überdehnung verursachen.
Je nach Stärke der einwirkenden Kraft entstehen unterschiedliche Verletzungen:
- Überdehnung: Das Band bleibt erhalten, ist aber gezerrt.
- Teilriss: Ein Teil der Bandfasern ist gerissen.
- Kompletter Riss: Das Band ist vollständig durchtrennt oder von seinem knöchernen Ansatz abgerissen.
- Knöcherner Bandausriss: Mit dem Band wird ein kleines Knochenstück aus der Grundphalanx herausgerissen.
Eine besondere Form des vollständigen Risses ist die sogenannte Stener-Läsion. Dabei rutscht das abgerissene Band über eine benachbarte Sehnenplatte und kann nicht mehr an seinen ursprünglichen Ansatz zurückgleiten. Eine selbstständige Heilung in korrekter Position ist dann nicht mehr möglich.

Beschwerden
Unmittelbar nach dem Unfall treten meist Schmerzen und eine Schwellung am Daumengrundgelenk auf. Häufig entwickelt sich zusätzlich ein Bluterguss.
Besonders schmerzhaft sind Bewegungen, bei denen der Daumen belastet oder seitlich abgespreizt wird. Das Öffnen einer Flasche, das Drehen eines Schlüssels oder das Festhalten eines größeren Gegenstandes können Schwierigkeiten bereiten. Bei einem vollständigen Bandriss kann sich das Gelenk instabil anfühlen. Die Betroffenen bemerken beispielsweise, dass sie beim Greifen zwischen Daumen und Zeigefinger weniger Kraft aufbringen können.
Diagnostik
Neben der typischen Unfallgeschichte findet man einen Druckschmerz direkt über dem gerissenen Seitenband und es zeigt sich eine deutlich verstärkte Aufklappbarkeit des Gelenks im Vergleich zur Gegenseite. In unserem Zentrum wird zusätzlich eine Röntgenaufnahme des Daumens durchgeführt, um einen knöchernen Ausriss des Seitenbandes auszuschließen. Wichtig ist im Anschluss die hochauflösende Ultraschalluntersuchung, die ebenfalls direkt in unserem Zentrum durchgeführt wird. Hierbei lässt sich gut erkennen, ob das Band nur zum Teil oder vollständig gerissen ist und wie die Bandreste zueinander liegen. Insbesondere letzter Punkt entscheidet darüber, ob eine konservative und operative Behandlung notwendig ist. Natürlich lässt sich auch eine Stener-Läsion sehr genau feststellen.
Prognose
Unbehandelt führt der Riss des ellenseitigen Seitenbandes häufig zur chronischen Instabilität im Daumengrundgelenk und damit zu einem bleibendem Kraftverlust. Langfristig kommt es aufgrund der Fehlbelastung zu einem Knorpelverlust an den Gelenkflächen und zur Entwicklung einer Arthrose (Gelenkverschleiß).
Behandlung
Hierbei ist wichtig, zwischen einer frischen und veralteten Bandverletzung zu unterscheiden. Handelt es sich um eine frische Verletzung und ist das Band nur schmerzhaft überdehnt bzw. liegen die Bandreste günstig aneinander, ist eine konservative Therapie mit einer Daumenorthese über 6 Wochen möglich.
Im Fall eines knöchernen Ausrisses oder wenn die Bandenden umgeschlagen sind und ein Vernarben daher nicht möglich ist (= Stener-Läsion) wird die operative Versorgung notwendig. Dabei wird das Band und die evtl. gerissenen Kapselanteile genäht. Ist das Band am Knochen abgeschert oder mit einem kleinen Knochenstück ausgerissen, wird es mit einem kleinen Knochenanker wieder stabil befestigt.
Liegt der Unfall schon längere Zeit zurück, finden sich häufig keine Bandreste mehr, die man noch nähen könnte. Dann ist eine Bandrekonstruktion notwendig. Hierfür wird ein Sehnentransplantat (meistens vom beugeseitigen Unterarm) verwendet.
Unabhängig von der durchgeführten Operation wird das Daumengrundgelenk für 6 Wochen in einem Daumengips bzw. in einer kleinen Kunststoffschiene ruhiggestellt. Schon während dieser Ruhigstellung wird das Endgelenk des Daumens beweglich gehalten. Eine volle Belastung des Daumens ist nach drei Monaten wieder möglich.
Alle beschriebenen Operationen werden tagesklinisch oder stationär in einem Privatspital in Wien wahlweise in Betäubung des Armes (Armplexusanästhesie) in Kombination mit einem Dämmerschlaf oder in Vollnarkose durchgeführt.

Nachbehandlung
Unabhängig von der durchgeführten Operation wird das Daumengrundgelenk für 6 Wochen in einem Daumengips bzw. in einer kleinen Kunststoffschiene ruhiggestellt. Schon während dieser Ruhigstellung wird das Endgelenk des Daumens beweglich gehalten. Eine volle Belastung des Daumens ist nach drei Monaten wieder möglich.