Die Strecksehne ermöglicht es, das Endgelenk eines Fingers aktiv zu strecken. Reißt die Sehne an ihrem Ansatz am Endglied ab, kann die Fingerspitze nicht mehr aus eigener Kraft vollständig angehoben werden. Sie bleibt charakteristisch nach unten gebeugt – es entsteht der sogenannte Mallet-Finger oder Hammerfinger.
Man unterscheidet einen rein sehnigen Abriss und einen knöchernen Strecksehnenabriss, bei dem die Sehne gemeinsam mit einem kleinen Knochenfragment aus dem Endglied ausreißt.

Ursache
Typischerweise entsteht ein Strecksehnenabriss, wenn die gestreckte Fingerspitze plötzlich und kräftig gebeugt wird. Das kann beispielsweise beim Ballsport, beim Anstoßen des Fingers oder auch bei alltäglichen Tätigkeiten passieren. Die klassische Situation ist beim Einspannen eines Bettlakens. Gelegentlich genügt aber bereits eine vergleichsweise geringe Krafteinwirkung.

Beschwerden
Das auffälligste Zeichen ist die herabhängende Fingerspitze. Das Endgelenk kann nicht mehr aktiv vollständig gestreckt werden, während es sich mit der anderen Hand meist problemlos gerade richten lässt.
Unmittelbar nach der Verletzung können Schmerzen, Schwellung und gelegentlich ein Bluterguss auftreten. Bei kleineren Verletzungen sind die Beschwerden manchmal erstaunlich gering, sodass der Sehnenabriss zunächst unterschätzt wird.
Diagnostik
Die typische Fehlstellung und die Prüfung der aktiven Streckfähigkeit erlauben meist bereits die Diagnose. In unserem Zentrum wird zusätzlich der hochauflösende Ultraschall genutzt, um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen. Hierbei lässt sich auch erkennen, wie weit sich die abgerissene Sehne bereits zurückgezogen hat. Das digitale Röntgen, welches ebenfalls in unserem Zentrum zur Verfügung steht, zeigt, ob zusätzlich ein knöcherner Ausriss vorliegt und wie groß beziehungsweise verschoben das Knochenfragment ist. Außerdem lässt sich beurteilen, ob das Endgelenk weiterhin korrekt steht.
Behandlung
Die Behandlung hängt entscheidend davon ab, ob die Sehne knöchern ausgerissen ist und wie groß das Knochenfragment ist.
Konservative Behandlung:
Die meisten Strecksehnenabrisse können ohne Operation behandelt werden. Dazu wird das Endgelenk mit einer speziellen Schiene, einer sog. Stack´schen-Schiene, konsequent in Streckstellung gehalten, üblicherweise für acht Wochen Tag und Nacht und für weitere vier Wochen nur noch in der Nacht.
Entscheidend ist, dass das Endgelenk während dieser Zeit auch beim Waschen und beim Wechseln der Schiene nicht gebeugt wird. Schon eine kurze Beugung kann die beginnende Heilung wieder beeinträchtigen. Das Mittelgelenk muss hingegen frei beweglich bleiben.

Operative Behandlung:
Eine Operation ist nur dann erforderlich, wenn das ausgerissene Knochenfragment größer als ein Drittel der Gelenkfläche des Endglieds ist bzw. bei einer Fehlstellung oder Instabilität des Endgelenks.
Je nach Verletzung kann das Knochenfragment eingerichtet und beispielsweise mit feinen Drähten oder kleinen Schrauben fixiert werden. Auch bei offenen Verletzungen oder bestimmten älteren Verletzungen kann eine operative Behandlung erforderlich sein.
Nachbehandlung
Bei konsequenter Behandlung ist die Prognose in den meisten Fällen gut. Dennoch kann nach der Heilung eine geringe verbleibende Beugestellung des Endgelenks verbleiben, ohne dass dadurch die Funktion wesentlich beeinträchtigt sein muss.
Wird ein ausgeprägter Strecksehnenabriss nicht behandelt, kann sich die Fehlstellung verstärken. Durch das veränderte Gleichgewicht des Streckapparates kann langfristig zusätzlich eine Schwanenhalsdeformität des Fingers entstehen. Eine frühzeitige Abklärung und konsequente Schienenbehandlung sind daher wichtig.