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Ulna-Impaction Syndrom

Ulna-Impaction Syndrom

Beim Ulna-Impaction Syndrom, auch überlange Elle oder Ulna-plus Variante oder ulnokarpales Impaktionssyndrom bezeichnet, bestehen belastungsabhängige Schmerzen am ellenseitigen Handgelenk. Dabei kommt es zu einem vermehrten Druck zwischen dem Ellenkopf (Ulna) und den angrenzenden Strukturen der Handwurzel.

Zwischen Elle und Handwurzel befindet sich der sog. TFCC (Triangular Fibrocartilage Complex). Dieser besteht aus Faserknorpel und mehreren Bandstrukturen und wirkt unter anderem als Stoßdämpfer zwischen Elle und Handwurzel. Ist die Elle im Verhältnis zur Speiche zu lang, steigt der Druck auf den TFCC sowie auf die angrenzenden Handwurzelknochen, insbesondere auf Mondbein (Os lunatum) und Dreiecksbein (Os triquetrum). Auf Dauer können dadurch Schäden am TFCC, am Gelenkknorpel und am gegenüberliegenden Knochen entstehen.

Ursache

Die beiden Unterarmknochen, Elle und Speiche, sollten gleich lang sein – häufig ist die Elle sogar ein klein wenig kürzer. Ist die Elle aber länger als die Speiche, stößt sie an der Handwurzel an. Die Überlänge der Elle kann angeboren sein und kommt dann in aller Regel beidseits vor. Häufig entwickelt sich ein sogenannter posttraumatischer Ellenvorschub aber auch nach einem Speichenbruch (=Handgelenksbruch), der unter leichter Verkürzung der Speiche abgeheilt ist.

Beschwerden

Handelt es sich um eine angeborene Überlange der Elle, entwickeln sich die ellenseitigen Handgelenksschmerzen meistens erst ab dem 3. Lebensjahrzehnt. Ist ein Speichenbruch vorausgegangen, können die Schmerzen je nach Ausprägungsgrad der Speichenverkürzung bereits kurz nach dem Unfall entstehen. Anfangs besteht ein belastungsabhängiger Schmerz, der in aller Regel in einen Dauerschmerz übergeht.

Typisch sind Beschwerden insbesondere bei:

  • kräftigem Zugreifen
  • Abstützen auf der Hand
  • Drehbewegungen des Unterarms
  • Tragen schwerer Gegenstände
  • Sportarten mit starker Belastung des Handgelenks
  • wiederholten kombinierten Dreh- und Greifbewegungen

Manche PatientInnenen berichten zusätzlich über ein Klicken oder Reiben im Handgelenk. Auch die Beweglichkeit und Griffkraft können vermindert sein.

Die Elle (Ulna) ist im Vergleich zur Speiche (Radius) zu lange, dadurch wird der Handgelenksmeniskus eingeklemmt und das gegenüberliegende Mondbein geschädigt

Diagnostik

Wenn die klinische Untersuchung den Verdacht auf ein Ulna-Impaction Syndrom ergibt, ist eine bildgebende Untersuchung notwendig. Es werden Röntgenbilder vom Handgelenk in zwei Ebenen und eine Belastungsaufnahme direkt in unserem Zentrum durchgeführt. Hierauf kann eine Überlänge der Elle in aller Regel gut erkannt werden.

Um eine Schädigung des Handgelenksmeniskus oder am Knorpelbelag des Mondbeins abzuklären, ist zusätzlich eine Magnetresonanztomographie (MRT) notwendig.

Behandlung

Eine konservative Therapie hat bei dieser Erkrankung keinen Erfolg, da es sich um ein mechanisches Problem handelt. Die operative Behandlung hat zum Ziel, einen Längenausgleich beider Unterarmknochen zu erreichen. Das Vorgehen hängt dabei von der tatsächlichen Überlänge der Elle und evtl. schon bestehender Schäden am Mondbein ab:

Überlänge der Elle um 1-2 mm, kein Schaden am Mondbein:

Sollte es sich nur um eine leichte Überlänge der Elle von 1 bis 2 mm handeln, kann mittels einer Handgelenksarthroskopie (=Handgelenksspiegelung) die Perforation im Handgelenksmeniskus geglättet und der Meniskus als Ganzes gleichzeitig ausgedünnt werden. Zusätzlich wird der Ellenkopf mit einer speziellen Miniaturfräse abgeschliffen und somit die Elle verkürzt. Dadurch kommt es zu einer deutlichen Druckentlastung im ellenseitigen Handgelenk, welche bei rund 80% der so behandelten PatientInnen zu einem Beschwerderückgang bzw. zu einer Beschwerdefreiheit führt. Ist dies nicht ausreichend, muss in Folge eine Ellenverkürzung (=Ulnaverkürzungsosteotomie) durchgeführt werden.

Überlänge der Elle um 3 mm und mehr bzw. vorhandener Schaden am Mondbein:

Bei einer Überlänge der Elle um 3 mm und mehr, ist das arthroskopische Vorgehen nicht mehr erfolgversprechend, so dass eine Ellenverkürzung durchgeführt werden muss. Hierzu wird am ellenseitigen Unterarm ein ca. 10 cm langer Hautschnitt angelegt und im körperfernen Drittel der Elle eine entsprechend dicke Knochenscheibe ausgesägt. Die Dicke der Knochenscheibe entspricht dabei der Überlänge der Elle. Die beiden Knochenenden der Elle werden zusammengeführt und mit einer speziellen Platte und Schrauben fixiert. Durch das Verschließen der Knochenlücke wird die Elle in ihrer Länge verkürzt und so ein ausgeglichenes Längenniveau zwischen Speiche und Elle geschaffen.

Die beschriebenen Operationen werden mit einer Nacht stationär in einem Privatspital in Wien, wahlweise in Betäubung des Armes (Armplexusanästhesie) in Kombination mit einem Dämmerschlaf oder in Vollnarkose, durchgeführt.

Nach der Ellenverkürzung befindet sich die Elle unterhalb des Gelenkniveaus der Speiche. Hierdurch kommt es zu einer deutlichen Druckentlastung auf den Handgelenksmeniskus und das Mondbein

Nachbehandlung

Da bei der Operation die Elle durchtrennt wird, muss die Osteotomie anschließend ähnlich wie ein Knochenbruch stabil verheilen. Das Handgelenk beziehungsweise der Unterarm wird deshalb für zwei Wochen mit einer Kunststoffschiene geschützt. Finger und Daumen können frühzeitig bewegt werden, um Schwellungen und Bewegungseinschränkungen vorzubeugen. Da eine plastisch-chirurgische Intracutannaht verwendet wird, ist ein Fadenzug nicht notwendig.

Eine volle Belastung des Handgelenks ist nach drei Monaten wieder möglich.

Vertrauen, das man weiterempfiehlt

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